PFERDEGESTÜTZTE VERHALTENSTHERAPIE

PFERDEGESTÜTZTE VERHALTENSTHERAPIE

Das Glück der Erde liegt bekanntermaßen auf dem Rücken der Pferde.

Aber nicht nur auf dem Pferderücken erleben wir Glücksmomente, sondern bereits bei der Begegnung mit diesen außergewöhnlichen Tieren. Trotz ihrer Größe, sind es sehr sanfte Wesen, die uns neugierig und unvoreingenommen begegnen. Diese Form der Begegnung ermöglicht es, Gefühle, Beziehungsmuster und eigene Reaktionen unmittelbar zu erleben und anschließend im verhaltenstherapeutischen Prozess zu reflektieren und einzuordnen.

Pferdegestützte Psychotherapie Neustadt Ina Maier
Pferdegestützte Psychotherapie

Welche Störungen können mit pferdegestützter Verhaltenstherapie behandelt werden?

Pferdegestützte Verhaltenstherapie kann bei verschiedenen psychischen und psychosomatischen Beschwerden und Erkrankungen ergänzend eingesetzt werden. Mögliche Anwendungsbereiche sind insbesondere Angststörungen, depressive Störungen, psychische Traumafolgestörungen, Persönlichkeitsstörungen sowie somatische Belastungsstörungen und andere körperliche Beschwerden, die nicht hinreichend organisch erklärt werden können. Auch bei ausgeprägten Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, im Selbstwert, in der Beziehungsgestaltung oder im Umgang mit Nähe, Distanz und Grenzen kann der Einsatz des Pferdes therapeutisch sinnvoll sein.

Ob eine pferdegestützte Intervention geeignet ist, hängt nicht allein von der Diagnose ab. Entscheidend sind die individuelle Symptomatik, die verhaltenstherapeutische Fallkonzeption, die konkreten Behandlungsziele sowie die körperlichen und psychischen Voraussetzungen des Patienten.

Nicht geeignet ist die pferdegestützte Therapie in der Regel bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung, akuten psychotischen Symptomen sowie bei Suchterkrankungen mit aktuellem Substanzkonsum. Weitere medizinische oder psychische Gegenanzeigen müssen vor Beginn individuell geprüft werden.

Was ist pferdegestützte Verhaltenstherapie?

In der pferdegestützten Verhaltenstherapie wird das Pferd bei entsprechender Indikation als ergänzendes therapeutisches Medium innerhalb einer verhaltenstherapeutischen Gesamtbehandlung eingesetzt. Es handelt sich nicht um ein eigenständiges Therapieverfahren, sondern überträgt wissenschaftlich fundierte Methoden und Grundprinzipien der Verhaltenstherapie auf konkrete, erlebnis-, körper- und handlungsorientierte Lernsituationen in der Interaktion mit dem Pferd.

Die Arbeit mit dem Pferd ist kein regelmäßiger oder durchgängiger Bestandteil der Behandlung. Sie findet ausschließlich in einzelnen, gezielt ausgewählten Therapiesitzungen statt, wenn dies zur Bearbeitung eines konkreten Behandlungsziels fachlich sinnvoll ist. Der überwiegende Teil der Psychotherapie erfolgt weiterhin in den Räumen der niedergelassenen psychotherapeutischen Praxis.

Auf Grundlage der individuellen verhaltenstherapeutischen Fallkonzeption werden für jede pferdegestützte Sitzung konkrete Ziele und Übungen festgelegt. Je nach Behandlungsziel können beispielsweise Beobachtungsaufgaben, angeleitete Übungen vom Boden aus, das Führen des Pferdes, freie Begegnungen oder bei entsprechender Indikation auch geführtes Reiten eingesetzt werden. Entscheidend ist nicht die Beschäftigung mit dem Pferd an sich, sondern die gezielte verhaltenstherapeutische Arbeit an einem zuvor festgelegten Behandlungsziel.

Die pferdegestützten Sitzungen werden in der niedergelassenen psychotherapeutischen Praxis vorbereitet und nachbesprochen. Dabei werden die Erfahrungen gemeinsam ausgewertet, mit Gedanken, Gefühlen, körperlichen Reaktionen und Verhaltensweisen verknüpft und in den weiteren Behandlungsprozess eingeordnet. Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse und neuen Verhaltensmöglichkeiten werden anschließend auf konkrete Alltagssituationen übertragen.

Die Arbeit mit dem Pferd erfolgt strukturiert, schrittweise und angepasst an die individuellen Voraussetzungen des Patienten. Vorerfahrungen im Umgang mit Pferden sind nicht erforderlich.

Pferdegestützte Psychotherapie Aisch Milo Lotte
Therapeutisches Reiten Pferd Milo

Wie hilft Pferdegestützte Verhaltenstherapie?

Individuelle Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster können eng mit körperlichen Reaktionen und früheren Lernerfahrungen verbunden sein. Manche automatisierten Reaktionen sind sprachlich zunächst nur schwer zugänglich oder lassen sich im therapeutischen Gespräch allein nicht vollständig erfassen. Die pferdegestützte Verhaltenstherapie kann ergänzend dazu beitragen, solche Muster in einer konkreten Situation zu aktivieren, zu beobachten und verhaltenstherapeutisch zu bearbeiten.

Die Begegnung mit dem Pferd schafft hierfür eine unmittelbare, erlebnis- und körperorientierte Lernsituation. Pferde reagieren sensibel auf Haltung, Bewegung, Anspannung sowie auf Annäherungs-, Vermeidungs- und Rückzugsverhalten. Ihre Reaktionen können dem Patienten eine direkte Rückmeldung zu seinem aktuellen Verhalten geben und dazu beitragen, Zusammenhänge zwischen Gedanken, Gefühlen, körperlicher Anspannung und beobachtbarem Verhalten besser zu erkennen.

In der Interaktion mit dem Pferd können dysfunktionale Verhaltensmuster unter therapeutisch kontrollierten Bedingungen sichtbar werden. Dazu gehören beispielsweise Vermeidungsverhalten, übermäßige Kontrolle, Unsicherheit, Schwierigkeiten bei der Abgrenzung oder wiederkehrende Muster in der Beziehungsgestaltung. Gemeinsam mit dem Therapeuten werden auslösende Situationen, Bewertungen, emotionale und körperliche Reaktionen sowie die kurzfristigen und langfristigen Folgen des Verhaltens analysiert. Auf dieser Grundlage können alternative Bewertungen und funktionalere Verhaltensweisen entwickelt und unmittelbar erprobt werden.

Ein wesentliches Ziel besteht darin, neue Lernerfahrungen zu ermöglichen. Der Patient kann beispielsweise schrittweise lernen, Unsicherheit auszuhalten, eigene Grenzen wahrzunehmen und mitzuteilen, angemessen Nähe oder Distanz herzustellen und sein Verhalten an der jeweiligen Situation auszurichten. Gelingende Interaktionen können die Erwartung korrigieren, einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein, und das Erleben von Selbstwirksamkeit fördern.

Bei Ängsten und ausgeprägtem Vermeidungsverhalten kann die Interaktion mit dem Pferd im Sinne einer schrittweisen Exposition eingesetzt werden. Der Patient nähert sich angstauslösenden Situationen entsprechend der individuellen Belastbarkeit an, bleibt mit therapeutischer Unterstützung in der Situation und überprüft seine Befürchtungen anhand der tatsächlichen Erfahrung. Ziel ist nicht die sofortige Beseitigung von Angst, sondern der Aufbau eines flexibleren und weniger vermeidenden Umgangs mit belastenden Gedanken, Gefühlen und körperlichen Reaktionen.

Auch die Regulation von Anspannung und Emotionen kann gezielt eingeübt werden. Der Patient lernt, körperliche Signale frühzeitig wahrzunehmen, den eigenen Aktivierungszustand zu beobachten und geeignete Regulationsstrategien anzuwenden. Die Reaktion des Pferdes kann dabei als unmittelbare Rückmeldung dienen, ob sich Veränderungen in Haltung, Spannung, Aufmerksamkeit oder Verhalten auf die Interaktion auswirken.

Bei entsprechender therapeutischer Indikation kann auch geführtes Reiten eingesetzt werden. Die rhythmischen Bewegungsimpulse des Pferdes können die Wahrnehmung des eigenen Körpers unterstützen und dazu beitragen, Anspannung, Schonhaltungen oder automatisierte Reaktionsmuster bewusster zu erkennen. Diese Beobachtungen werden anschließend in die verhaltenstherapeutische Fallkonzeption eingeordnet und für die weitere Behandlung genutzt.

Die während der pferdegestützten Sitzungen gewonnenen Erfahrungen werden gemeinsam mit dem Therapeuten ausgewertet. Dabei wird geprüft, welche Gedanken, Bewertungen und Verhaltensweisen hilfreich oder hinderlich waren und welche alternativen Handlungsstrategien sich daraus ableiten lassen. Durch gezielte Übungen, Verhaltensaufgaben und die Übertragung auf konkrete Alltagssituationen sollen die neuen Erfahrungen stabilisiert und generalisiert werden.

Wo findet die Therapie am Pferd statt?

Die beiden ausgebildeten Therapiepferde, Lotte und Milo, leben in einem Stall bei Langenzenn. Dort stehen uns für die Arbeit mit den Pferden ein Sandplatz sowie die angrenzenden Koppeln, Wiesen und Wälder zur Verfügung.

Pferdegestützte Psychotherapie Neustadt Lotte

Therapiepferd Lotte

Pferdegestützte Psychotherapie Neustadt Milo

Therapiepferd Milo

Welche Qualifikationen habe ich rund um’s Pferd?

Seit meiner Kindheit faszinieren mich Pferd und so habe ich früh begonnen zu reiten. Viele Jahre habe ich meine Pferde großgezogen, ausgebildet und erfolgreich auf Westernreitturnieren vorgestellt. Zudem habe ich mich bei namhaften Trainern und der EWU (Erste Westernreiter Union Deutschland e.V. https://ewu-bund.com) stetig weitergebildet. Ich verfüge über die Qualifikation des Trainer C Westernreiten.